„Qualitätsjournalismus“ – oder wie Zeitungen sich zum Handlanger der NPD machen

„Durch das Weglassen von Tatsachen und Fakten verändert sich die Wahrnehmung“

Warum ich diesen Artikel schreibe?

Weil die NPD eine Welle macht, über einen E-Mail Verteiler bei dem man sich fragt wie der zustande gekommen ist, eine 25jährige Tradition in Frage stellt und die lokalen Journalisten dieses Thema aufnehmen und darüber berichten – ohne zu erwähnen, wer das Thema begonnen hat. Die dahinter stehende Person ist gar nicht klar. Gibt es die überhaupt?

Die SPD wollte dem rechten Pack keine Bühne geben, aber die lokale Presse sieht das offensichtlich leider anders und macht sich zum Handlanger von Rechtspopulisten.

Der Beitrag zum Artikel der LeineNachrichten kann hier gelesen werden: 2018-08-22 – Laatzen – Stadt prüft SPD-Aktion am Einschulungstag

Zur Historie

Seit 25 Jahren werden in Rethen und (mit Unterbrechung) in Gleidingen die Schüler zum Schulbeginn mit einem kleinen Präsent seitens der SPD begrüßt. Diese Aktion findet in mehr als 10 Ortsvereinen in und um Hannover regelmäßig statt. Völlig unabhängig von Wahlkämpfen etc. So etwas machen auch Firmen, wie z.B. die HAZ.

Wie ist der Ablauf?

Jedes Jahr wird rechtzeitig bei den Schulen nachgefragt, wie viele neue Schüler zu erwarten sind. Mittlerweile ist es auch bekannt, dass die SPD diese Aktion in den Ortsteilen durchführt. Die Schule nennen die Zahlen und es werden Präsente für die Kinder gekauft, eingepackt und mit einer Karte versehen.

Am Einschulungstag werden dann die Geschenke vor der Schule an die Kinder verteilt. Natürlich mit Nachfrage. Teilweise sind Wiedererkennungseffekte da. Die Eltern, die zum zweiten oder dritten Mal Kinder einschulen, kennen schon das Procedere und freuen sich. Sogar Dankesbriefe sind der SPD zugesandt worden.

Was war dieses Jahr anders?

Dieses Jahr hat ein „besorgter Bürger“ davon Fotos gemacht und seine Wut an die NPD Niedersachsen geschickt. Die NPD in Niedersachen hat einen extra Verteiler für ihr ideologisches Gedankengut ( interessenten@npd-niedersachsen.de ).

Dort wurde Folgendes verteilt:

Laatzener politische Indoktrination vom ersten Schultag an…oder die Angst vor dem Machterhalt

 Dem ersten Schultag geht ja bekanntlich die Einschulung voran. Am 11. August 2018 sollte es um 10 Uhr in der Gleidinger Grundschule soweit sein. Die Eltern, Angehörige und die Erstklässler sind erwartungsvoll in diesen Tag gegangen. Der Gleidinger Schulförderverein stellte mit selbst gemachtem Kuchen und anderen Leckereien den kulinarischen Teil. Der kulturelle Abschnitt wurde von den Viertklässlern der Grundschule mit einem super Programm ausgefüllt! Die aufgeregten Eltern und die unendliche Variantenvielfalt der Schultüten sowie die herausgeputzten Erstklässler gaben dem Einschulungsvorgang das I-Tüpfelchen…! Ja, wenn da nicht die politische Indoktrination der SPD Ortsgruppe Laatzen mit dem Bundestagsabgeordneten Miersch am Werk gewesen wäre. Dessen Konterfei wurde am Eingang zur Schule so aufgestellt, dass niemand daran vorbeikam. Problematisch wird es aber für die SPD, wenn die Kinder direkt beim Verlassen des Schulgeländes angesprochen werden, ob sie heute die Einschulung feiern. Sofern diese Frage bejaht wurde, gaben die SPD-Wahlverlierer den Kindern einen SPD-Werbeträger.

 In der heutigen Zeit, da jeder in Deutschland Kost und Logis erhält, der das Wort „Asyl“ plärren kann, sind die Eltern angehalten, den Kindern zu sagen, nehmt nichts von Fremden. Hier aber die Eltern zu umgehen, die Kinder direkt anzusprechen und zu beschenken, geht gar nicht! Sie schrecken vor nichts zurück.

 Liebe Leser, was glauben Sie, wäre passiert, hätte hier ein Elternteil dagegen protestiert? Ja, Sie liegen mit Ihren Gedanken richtig, eine Stigmatisierung der protestierenden Eltern wäre vorprogrammiert gewesen mit den entsprechenden Folgen für das Kind und dessen Eltern! Sie fragen sich, welche Folgen?

 Herr Prinz, ehemals Laatzens SPD Bürgermeister, installierte eine perfekte Strategie, mit politisch nicht angepassten Bürgern abzurechnen. Jeder, der da was sagt, kritisiert, hinterfragt, steht am Nazi-Pranger und wird auch mit Polizeigewalt politisch vorgeführt! Eine wirtschaftliche und menschliche Vernichtung wird von der SA – Antifa Hannover Truppe übernommen! Läuft doch… Darum protestierte auch niemand vor dem Schulgelände gegenüber dem Miersch-SPD-Protagonisten.

 Immer mehr Menschen wenden sich von der Politik ab. Die Politikverdrossenheit resultiert aus dem Stil der politischen linksverdrehten Kaste. Entscheidungen werden nicht dem Gemeinwohl gewidmet, sondern dem Machtgewinn und dem Eigenwohl. Wer möchte schon Heilsversprechen? Resultate wollen wir sehen! Der Bürger hat genug von politischen Debatten, die emotionalisiert werden oder die auf eine weltanschauliche Ebene gehoben werden. Geht es dann doch nur noch um parteipolitische Ideologien und nicht mehr um Sachargumente. Der politische Selbsterhalt der SPD hier am Einschulungstag ist völlig deplatziert und hilft einer momentanen 18 %-Partei nicht viel. Kinder aber hier mit ins Boot zu holen und das am Willen der Eltern vorbei, geht gar nicht! Pikant dabei die unterwürfige Rolle der Gleidinger Schule. Der Bürger wollte hier sein Kind im Mittelpunkt sehen und keine politische Wahlkampfmasse sein! Die Schule, regiert von einer CDU Gruppe, blieb schweigend.

 Fazit: Die hier klar erkennbare Tendenz zum Weltanschauungs- und Erziehungsstaat (eine Politik zur Gestaltung der Gesellschaft nach Vorgabe von Ideologien, die dem gesunden Menschenverstand ins Gesicht schlagen) findet sich in diesen flüssigen SPD und CDU Machtstrukturen wieder. Diese sind informell, unkontrollierbar, und damit unkritisierbar und letztendlich unzerstörbar. Der mündige Bürger muss hier zum Wohle seiner nicht SPD-indoktrinierten Kinder handeln. Noch ist es nicht zu spät. Wenden Sie sich an den bundesweit gut vernetzten nächsten NPD-Unterbezirk, um den politisch volksfernen Ideologien zu begegnen. Informationen dazu hier!

Unabhängig davon, dass die Rassisten es schaffen, jeden Schwachsinn in den Text mit aufzunehmen und Inhalte zu vermischen und verdrehen, hätte man es dabei belassen können. Ablage P, darüber stehen, ignorieren und am besten eher überlegen, wie man dem rechten Gedankengut in Gleidingen begegnen könnte.

Auf jeden Fall war einhellige Meinung der Betroffenen: gebt den Rechten kein öffentliches Forum.

Verhalten der Zeitung

Die lokale Zeitung (LeineNachrichten) hat das anders gesehen und angefangen zu „recherchieren“ – wenn man das in diesem Zusammenhang überhaupt so nennen darf.

In alle Richtungen wurden Anfragen gestellt und geschaut, ob es da nicht noch etwas zu bemängeln geben könnte. Tja und dann? Dann wird ein Artikel fertig gestellt, obwohl noch nicht alle Informationen auf dem Tisch liegen

  • das Kultusministerium sagt: kein Problem
  • die Grundschule Rethen sagt: kein Problem
  • die Grundschule Gleidingen: sieht ein Problem, außerdem teilt die Schulleiterin mit: “Die Schule sei außerdem nicht von der SPD informiert worden” (Anmerkung: Die Schule hat aber, wie jedes Jahr,  die Schülerzahlen für genau diese Aktion genannt)
  • die Stadtverwaltung sagt, was sie immer erst einmal sagt: wir prüfen

und wichtige Informationen werden weggelassen

  • das der Verfasser von der NPD kommt.

Nun hätte diese Prüfung abgewartet werden können. Man hätte auch selber recherchieren können, dass es eine Satzung ( https://www.laatzen.de/datei/anzeigen/id/7171,1191/32_strassensondernutzungssatzung.pdf ) in Laatzen gibt, die so etwas regelt. Nämlich unter §2 (Erlaubnispflicht für Sondernutzungen), Abs.1 Nr. 3 steht:

„Für den Gebrauch der in § 1 bezeichneten Straßen über den Gemeingebrauch hinaus (Sondernutzung) ist die Erlaubnis der Stadt erforderlich, soweit die Satzung in § 8 – erlaubnisfreie Nutzung – nichts anderes bestimmt. Zur erlaubnispflichtigen Sondernutzung zählen insbesondere:

3) das Verteilen und der Verkauf von Handzetteln, Flugblättern und anderen Werbeschriften mit Ausnahme der Werbung politischen und religiösen Inhalts;“

Ja genau, die Satzung sagt, dass es für das Verteilen von politischen Inhalten keine Erlaubnispflicht bedarf. Dass die Stadtverwaltung nun prüfen muss, ob diese Geschenke dazu zählen ist schon bedauerlich genug, aber von Journalisten erwarte ich zu Zeiten von „Fake-News“ doch eine gewisse Sorgfaltspflicht. Evtl. hätte die SPD die jährliche Einschulungsaktion „anzeigen“ müssen – aber, dass das vergessen wurde, kann ja nicht das Riesenproblem sein, da eine explizite Erlaubnis eben nicht erteilt werden muss. Richtig spannend ist die Haltung der CDU geführten Verwaltung vor allem deswegen, weil vergangene Bürgermeister der Stadt Laatzen an verschiedenen Einschulungsaktionen teilgenommen haben – da kann man dann schwer als Verwaltung sagen „davon wussten wir nichts“.

Aus meiner Sicht bleibt aber das größte Versäumnis der Presse, dass die Anfrage über die NPD kommt – diese wichtige Information fehlt komplett im Artikel.

Wem nützt es?

Diese Frage muss man immer wieder stellen. Natürlich bringt jedes Wort in einem Artikel dem Journalisten Geld, ich glaube jedoch nicht, dass dies der Grund war. Wenn ein vom rechten Spektrum inszeniertes Spektakel aufgegriffen wird, dann muss schon was dahinter sein. Nun stellt sich während der Recherche heraus, dass vielleicht doch nicht so viel dran ist. Dann muss der Artikel raus, bevor sich alles auflöst. Die Überschrift darf dann noch ein wenig reißerisch sein „Stadt prüft SPD-Aktion am Einschulungstag“ und am Ende liest der Leser, dass nichts klar ist („Ob die SPD eine Verwarnung oder ähnliches erhält, stehe noch nicht fest.“).

Das einzige was klar ist, ist das eine demokratische Partei schlecht dastehen soll – und das wurde wohl geschafft.

Und die Frage, die bleibt: warum?

Es wird allen anderen Parteien nützen, vor allem den Rechten. Wer verliert, sind die Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren und vielleicht die Kinder und Eltern, die diese Tradition nun nicht mehr erleben dürfen.

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